Revolution auf der letzten Meile: Wie Computer Vision und Augmented Reality die Zustellung von Paketen verändern

Autor: Christian Floerkemeier*

Die Paketmengen wachsen kontinuierlich, während Verbraucher nach immer kürzeren Lieferzeiten und einer zuverlässigeren Zustellung ihrer Sendungen verlangen. Keine Frage, Paket- und Lieferdienste stehen unter enormem Druck, effizienter zu werden. Mit Computer Vision und Augmented Reality gelingt ihnen das – und dank Smartphones sogar ohne die teure Anschaffung dedizierter Barcode-Scanner. 

Jeden Werktag werden in Deutschland mehr als zwölf Millionen Sendungen an rund sieben Millionen Empfänger zugestellt – Tendenz steigend. Vor allem der boomende Onlinehandel lässt die Menge an Paketen schnell anwachsen und hat im Frühjahr durch die Corona-Krise noch mal einen spürbaren Wachstumsschub erfahren. Paket- und Lieferdienste setzt das unter großen Druck, müssen sie doch nicht nur mehr Sendungen abwickeln, sondern gleichzeitig auch gestiegene Verbraucheransprüche befriedigen. Verlangt werden kurze Lieferzeiten, ein komfortables Tracking von Paketen, eine sichere Zustellung, auch wenn niemand zu Hause ist, sowie eine einfache Einleitung von Rücksendungen.

Für die Branche bedeutet das, sie muss effizienter werden und ihre Digitalisierung mit Nachdruck vorantreiben. Mit Computer Vision und Augmented Reality (AR) existieren neue Technologien, die Prozesse sowohl im Distributionszentrum als auch bei der Zustellung – unabhängig davon ob direkt beim Empfänger oder über eine Pickup-Station – revolutionieren. Die leistungsstarke Scanning-Software nutzt hierfür die Kamera der Smartphones und Tablets und verwandelt sie in Barcode-Scanner, weshalb ein separates Scan-Device nicht mehr erforderlich ist. Das spart erhebliche Kosten und macht auch die Einarbeitung neuer Mitarbeiter einfacher, weil sie keine besondere Schulung für die Handhabung neuer Geräte benötigen, sondern nur in die Bedienung der mobilen Apps eingewiesen werden müssen. In einer Branche mit knapp 245.000 Beschäftigten und hoher Fluktuation, in der nach Prognosen des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik bis 2024 weitere 30.000 Jobs entstehen werden, ist das ein wichtiger Faktor.

Durchblick im Distributionszentrum

Im Distributionszentrum wird die Basis für eine schnelle und erfolgreiche Lieferung gelegt. Hier müssen Pakete in kürzester Zeit korrekt identifiziert und in das richtige Lieferfahrzeug geladen werden. Smartphones und Tablets mit Computer-Vision-Anwendungen sind dabei gegenüber klassischen Barcode-Scannern deutlich im Vorteil. Sie können die Barcodes mehrerer Pakete in einem Rutsch scannen und verarbeiten sowie in einem AR-Overlay im Kamerabild die gesuchten Pakete in Echtzeit markieren, sodass der Mitarbeiter sie sofort sieht und zügig verladen kann. Auch beim Einsortieren im Fahrzeug hilft dann ein AR-Overlay, in dem angezeigt wird, wie die Pakete passend zur Fahrtroute platziert werden.

Zudem helfen Computer Vision und Augmented Reality, wichtige Lieferungen zu erkennen, etwa solche, die besonders wertvoll oder eilig sind oder für die spezielle Lieferanweisungen hinterlegt wurden. Das können beispielsweise Vorgaben zur Kühlung von Lebensmittel- oder Medikamentenlieferungen sein, aber auch die Bitte, ein Paket beim Nachbarn abzugeben oder irgendwo auf dem Grundstück abzulegen, wenn der Empfänger nicht zu Hause ist.

Im Fahrzeug kann der Fahrer ebenfalls in Sekunden die nächste zuzustellende Sendung aufspüren, indem er mit dem Smartphone die Pakete und Barcodes in einer fließenden Bewegung scannt. Die gesuchte Sendung wird im AR-Overlay auf dem Smartphone hervorgehoben und zudem werden eventuelle Anweisungen wie die gewünschte Ablage im Garten – die per Foto dann auch direkt dokumentiert werden kann – angezeigt.

Zustellung auf Abstand

Bei der persönlichen Zustellung können Zusteller und Empfänger dank Smartphones den in Corona-Zeiten wichtigen Abstand wahren. Der Kunde bestätigt die Lieferung nicht per Unterschrift auf einem Barcode-Scanner oder einem anderen Gerät, sondern kontaktlos auf dem eigenen Smartphone. Nach dem Scan eines QR-Codes öffnet sich eine Website, auf der er den Barcode der Sendung scannen und ihren Empfang quittieren kann. Eine App-Installation oder die manuelle Eingabe einer langen Internetadresse sind nicht notwendig.

Für die Fahrer wird das Smartphone dank Computer Vision und Augmented Reality zu einem Multifunktionswerkzeug. Es scannt Barcodes und identifiziert Pakete, optimiert die Ablage im Fahrzeug, verifiziert Ausweise und erfasst Unterschriften elektronisch, dokumentiert Ablageorte und übernimmt auch die Navigation. Da Smartphones in der Anschaffung deutlich günstiger sind als dedizierte Barcode-Scanner, ergeben sich für Paket- und Lieferdienste große Einsparpotenziale. Eine Software-Scanning-Lösung kostet in etwa ein Drittel des TCO, der bei der Anschaffung von traditionellen Hardware-Scannern anfällt. Zusätzliche Einsparungen können sie auch durch BYOD-Strategien (Bring Your Own Device) erreichen, bei denen die Mitarbeiter die Zustell-App auf ihren eigenen Smartphones verwenden.

Komfort beim Pick-up und Drop-off

Auch in Paketshops kommen die Mitarbeiter ohne Barcode-Scanner aus und können das eigene oder ein Firmen-Smartphone für alle paketbezogenen Aufgaben nutzen. Wie im Distributionszentrum und Lieferfahrzeug helfen Computer Vision und Augmented Reality, schnell die gesuchte Sendung in einer großen Menge von Paketen zu finden, wenn der Empfänger sie abholen will. Die Anwendungen unterstützen aber auch beim Sortieren nicht abgeholter Pakete und von Retouren.

Letztere können Empfänger ebenfalls bequem am Smartphone in die Wege leiten. Auf der Website oder in der App des Händlers stoßen sie die Rücksendung an und erhalten einen Barcode, der im Paketshop vom Mitarbeiter gescannt wird, um das Retourenlabel auszudrucken – der Kunde selbst benötigt weder Computer noch Drucker.

Computer Vision und Augmented Reality tragen damit zu effizienteren Prozessen und einer höheren Produktivität an allen Stationen der letzten Liefermeile bei, vom Distributionszentrum bis zur Zustellung an den Empfänger. Sowohl Lagermitarbeiter als auch Zusteller und Angestellte in Paketshops profitieren von einfachen Workflows mit geringer Fehleranfälligkeit, was insbesondere zu saisonalen Höhepunkten wie dem Weihnachtsgeschäft mit erhöhter Arbeitslast und vielen temporären Mitarbeitern einen enormen Mehrwert darstellt.

Quelle: www.scandit.de

* Christian Floerkemeier ist CTO und Mitgründer bei Scandit

Pressemitteilung veröffentlicht am 05.02.2021 in News (In- und Ausland).
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