Die letzten Meter entscheiden über FlotteneffizienzAutor: Bart Coppelmans, Senior Director Product Management bei HERE Technologies

Wenn Kund:innen Lieferungen innerhalb einer Stunde erwarten und schwankende Kraftstoffpreise die Kosten erhöhen, entstehen die größten Erträge dort, wo sich Ausfälle und Verschwendung ganz am Ende der Strecke vermeiden lassen.
Die letzte Meile steuert auf einen kritischen Punkt zu. Liefermengen steigen weiter, während Händler die Zustellfenster immer enger ziehen und ihr Angebot an Lieferungen am selben Tag und sogar innerhalb einer Stunde ausbauen. Gleichzeitig nehmen Staus in den Städten zu, Gehwege werden voller und urbane Räume lassen sich immer schwerer überblicken.
Viele Flotten planen sehr genau, wie Fahrer:innen vom Lager bis zur Lieferadresse gelangen. An der richtigen Adresse angekommen, beginnen die letzten Momente der Zustellung, doch hier verdichten sich auch die Herausforderungen. Es reicht nicht mehr, pünktlich an einer Adresse zu sein. Was nach der Ankunft passiert, entscheidet heute über den Erfolg der Zustellung und über die Zufriedenheit der Kunden. Dazu gehören ein legaler und sicherer Parkplatz, die Orientierung in dichten Gebäudestrukturen, der richtige Eingang und eine reibungslose Übergabe.
Genau das ist der letzte Meter der Zustellung. Hier gewinnt die Effizienz. Oder sie geht verloren.
Der letzte Meter braucht eine eigene Strategie
Die letzte Meile ist der kürzeste Abschnitt der Auftragsabwicklung und verursacht gleichzeitig die höchsten Kosten. Sie macht 53 Prozent der gesamten Lieferkettenkosten aus. Zusammen mit steigenden Ausgaben für Kraftstoff, Fahrzeuge und Personal ist schnell nachvollziehbar, warum das so ist.
Wenn Flotten diesen letzten Abschnitt nicht aktiv steuern, müssen Fahrer:innen improvisieren. Das kostet Geld, vor allem wenn dadurch unnötiger Leerlauf entsteht, die Servicezeiten steigen, Fahrzeuge unsicher parken, Zustellversuche scheitern oder Fälle beim Kundenservice eskalieren.
KI schließt die Datenlücke
Das liegt auch daran, dass die Datenlage auf dem letzten Meter oft schlecht, fehlend, widersprüchlich oder ungenau ist. Wer diese Lücke schließen will, braucht einen anderen Blick auf Location Intelligence. Es geht nicht nur um Navigation, sondern darum, die Realität der Zustellung mit Präzision auf Adress- und Unteradressniveau abzubilden.
Hier zeigt sich besonders eindrucksvoll, was KI in der Logistik bewegen kann. Die wirksamsten Ansätze verbinden KI mit automatisierter Beobachtung und Feedback-Werten, die aus realen Zustellungen lernen und so eine belastbare operative Grundlage schaffen. Mit Unterstützung von KI können Flotten den letzten Meter als messbaren und gezielt verbesserbaren Teil des Gesamtsystems steuern.
Der letzte Meter verlangt Aufmerksamkeit
Die schwankenden Kraftstoffpreise beeinflussen 2026 sämtliche Lieferketten. Dadurch wird jede unnötige Minute im Leerlauf, jede zusätzliche Runde um den Block und jeder erneute Zustellversuch für Flottenbetreiber unmittelbar zum Kostenfaktor. Selbst kleine Ineffizienzen am Straßenrand fallen stark ins Gewicht, wenn sie sich über Hunderte oder Tausende Stopps pro Tag wiederholen. Präzision auf dem letzten Meter ist der praktikabelste Hebel, mit dem Flotten Kraftstoffverschwendung begrenzen können, ohne beim Service Abstriche zu machen.
Als Reaktion darauf elektrifizieren einige Unternehmen ihre Fuhrparks. Elektrofahrzeuge bieten auf lange Sicht klare Vorteile, bringen aber auch operative Einschränkungen bei Reichweite, Ladeverfügbarkeit und Planbarkeit von Routen mit sich. Schon wenige unerwartete Minuten, die an jedem Stopp verloren gehen, können E-Fahrzeuge auf einer Route näher an ihre Reichweitengrenze bringen und Anpassungen mitten am Tag, Umwege zum Laden oder verpasste Zustellungen auslösen.
Auch die Erwartungen der Kunden erhöhen den Druck. Verbraucher:innen erleben jeden Tag nahtlose, ortsbezogene Technologien, von Fahrdiensten mit Echtzeitverfolgung bis zur Essenslieferung in 30 Minuten. Deshalb sinkt die Toleranz für verspätete oder gescheiterte Zustellungen.
Gesamt betrachtet lassen diese Entwicklungen wenig Spielraum. Sie können Ineffizienz nicht länger mit günstigerem Kraftstoff, größeren Lieferfenstern oder nachsichtigen Kund:innen ausgleichen. Die beste Antwort darauf ist mehr Effizienz auf dem letzten Meter, denn genau dort wirken sich Verbesserungen unmittelbar auf Kostenkontrolle, Zuverlässigkeit und das Vertrauen der Kundschaft aus.
Den letzten Meter meistern
Mit einigen praxisnahen Anpassungen lässt sich die Leistung auf dem letzten Meter spürbar verbessern.
- Die finale Übergabe sollte als Prozess gesehen werden, nicht nur als Koordinate. Dann lässt sich jeder Bestandteil dieses Ablaufs anpassen: Anfahrt, Parken, Fußweg, Zugang, Übergabe und Bestätigung.
- Investitionen in Präzision zahlen sich aus. Es reicht nicht mehr, eine Karte mit einem Adresspunkt zu haben. Präzision bedeutet verlässlichen ortsbezogenen Kontext, der für die Übergabe wirklich relevant ist.
- Routenplanung bleibt unverzichtbar, doch das operative Umfeld ist dynamisch und das muss sich in den Plänen spiegeln. Die Ausführung als lebendes System, das sich an veränderte Bedingungen anpasst.
- Flotten messen oft die pünktliche Zustellung. Kennzahlen wie die Erfolgsquote beim ersten Zustellversuch, die Standzeit und die Schwankungen bei der Dauer bis zum Abschluss eines Stopps zeigen jedoch genauer, wo sich Unsicherheit auf dem letzten Meter konzentriert. Darauf sollten sich KPIs konzentrieren.
Es liegt nahe, Reibungsverluste auf dem letzten Meter als unvermeidliche Begleiterscheinung urbaner Räume, dichter Städte und enger Zeitfenster zu betrachten. Das sollte jedoch nicht so sein. Für Flottenmanager entscheidet nicht allein die Geschwindigkeit über die Qualität der Zustellung. Die Parameter lauten Genauigkeit, erfolgreicher Abschluss und Verlässlichkeit. In der Praxis heißt das, die Intelligenz auf dem letzten Meter genauso ernst zu nehmen wie Routing, Planung und Navigation. Es bedeutet, in präzise Daten, Feedback-Schleifen und ablauforientierte Prozesse zu investieren.
Quelle: www.here.com
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