Stefan Böhler, Country Managing Director Spring GDS Germany
Interview

EU-Zollreform dürfte einen Wandel im internationalen Online-Handel beschleunigen

Die neue EU-Zollgebühr und die zunehmende regulatorische Fragmentierung werden Händler voraussichtlich zu regionaleren Fulfillment-Modellen, stärkeren Zollkompetenzen und größerer operativer Flexibilität drängen

Ab dem 1. Juli 2026 wird die von der Europäischen Union (EU) beschlossene Zollreform wirksam. Von diesem Zeitpunkt an wird auf Waren aus Drittstaaten mit einem Wert von bis zu 150 Euro ein fester Zoll von drei Euro pro Produktkategorie erhoben. Im Interview geht Stefan Böhler, Managing Director Germany bei Spring GDS, auf die Reform ein, die den internationalen E-Commerce, Fulfillment-Strategien und Paketströme in Europa grundlegend verändern könnte.

Welchen Hintergrund hat die neue EU-Zollgebühr und was soll sie erreichen?

Stefan Böhler: Die Maßnahme kommt zur Zeit eines rekordhohen Wachstums bei Importen aus Nicht-EU-Ländern. Die neue Zollgebühr, die im Rahmen der umfassenderen EU-Zollreform eingeführt wird, soll die Transparenz erhöhen, Zollkontrollen stärken und fairere Wettbewerbsbedingungen für europäische Händler schaffen.

Welche Geschäftsmodelle geraten durch die neue Zollgebühr unter Druck und wie wirkt sie sich auf den E-Commerce aus?

Stefan Böhler: Von der neuen Zollgebühr sind alle Importe aus Nicht-EU-Ländern betroffen. Sie setzt Geschäftsmodelle unter Druck, die auf hohen Mengen und niedrigen Margen im internationalen Handel beruhen. Wir von Spring GDS sind überzeugt, dass die Maßnahme die umfassendere Transformation der internationalen E-Commerce-Logistik beschleunigen wird. In der neuen Logistiklandschaft werden Zollexpertise, Agilität in der Supply Chain und operative Transparenz zu zentralen Wettbewerbsvorteilen.

Wovon wird für Unternehmen im internationalen E-Commerce in Zukunft der Erfolg abhängen?

Stefan Böhler: Die EU-Zollreform wird zu einer zunehmenden Regionalisierung von Fulfillment-Netzwerken, einem erhöhten Bedarf an Zollexpertise und einem stärkeren Fokus auf Transparenz bei den Gesamtkosten (Landed Costs) und operative Resilienz führen. Erfolg wird zukünftig weniger allein von der Skalierung abhängen, sondern mehr von der Fähigkeit, Fulfillment-Modelle neu zu gestalten, regulatorischer Komplexität vorausschauend zu begegnen und eine Logistik aufzubauen, die resilienter und stärker lokal eingebettet ist.

Welche Handlungsempfehlungen gibt es für Händler im Hinblick auf die EU-Zollreform?

Stefan Böhler: Händler können bereits jetzt konkrete Schritte unternehmen, um sich auf das neue Umfeld vorzubereiten. Dazu gehören die Diversifizierung von Fulfillment-Modellen, mehr Transparenz über Zoll- und Steuerkosten beim Check-out, eine bessere Vorhersagbarkeit der Gesamtkosten und die Zusammenarbeit mit Logistikpartnern, die zunehmend komplexe grenzüberschreitende Abläufe managen können. Es wird zudem erwartet, dass verstärkte Investitionen in lokale und regionale Fulfillment-Strategien Händlern dabei helfen, Zollhürden zu reduzieren, die Vorhersagbarkeit von Lieferzeiten zu verbessern und das Kundenerlebnis beizubehalten, während der regulatorische Druck in Europa weiter zunimmt.

Quelle: www.spring-gds.com

Interview veröffentlicht am 24.06.2026 in E-Commerce, News (In- und Ausland).