Kleine Postagenturen werden ehrenamtlich betrieben – Deutsche Post leistet Universaldienst auf Kosten kleiner Geschäftsleute

Dass die Deutsche Post keine eigenen Filialen oder Postämter mehr hat, dürfte inzwischen jedem bekannt sein. Dass aber die Postagenturbetreiber in strukturschwächeren Gebieten oder Stadtteilen noch Geld mitbringen müssen, wenn sie eine Postagentur eröffnen, dürfte allgemein nicht bekannt sein.

Dort wo Bankdienstleistungen der Postbank/Deutsche Bank in der Agentur zusätzlich angeboten werden, sind Umsätze und Kosten vielfach ein Nullsummenspiel. Dort wo die Bankdienstleistungen fehlen, decken die Umsätze die Kosten nicht. So jedenfalls die Aussage vieler Agenturbetreiber.

Die missliche Lage kleinerer Postagenturen ist jetzt in einem Fall nördlich von Berlin nochmals deutlich geworden. Bisher hatte die Deutsche Post mehr als gewöhnlich gezahlt. Die Frage des Betreibers, ob nicht ein Fehler vorliegt, wurde von der Deutschen Post verneint. Nach einem Jahr Vertragslaufzeit hat sie den Fehler im Vertrag doch entdeckt und forderte die nach ihrer Meinung zu viel gezahlten Beträge zurück. Da der Agenturnehmer die Beträge, die in dieser Höhe gut kostendeckend waren, nicht so ohne weiteres zurückzahlen konnte, wurde der Vertrag gekündigt und die Auszahlungsbeträge einseitig deutlich reduziert. Auch zu einem neuen Vertragsabschluss war die Deutsche Post nicht bereit. Der Fall liegt inzwischen vor Gericht.

Die Deutsche Post sucht nun im Ort ein anderes Einzelhandelsgeschäft, dem sie die niedrigen Provisionen für Postdienstleistungen anbieten kann, um der gegenüber dem Bundeszentralamt für Steuern erklärten Pflicht zum Universaldienst nachzukommen. Doch hier wiederholt sich das Spiel, von dem sehr viele Agenturen in strukturschwachen Gebieten betroffen sind: Postdienstleistungen sind in diesen Fällen ehrenamtlich. Es ist kein Verdienst für geleistete Arbeit zu erwarten.

Darüber hinaus: Viele Agenturen werden aus der Not heraus von Gemeinden kostenlos betrieben oder zumindest unterstützt, damit diese wiederum ihrer Pflicht zur Daseinsvorsorge nachkommen können – alles zum Gewinn der Aktiengesellschaft Deutsche Post.

„Wir denken, hier muss mal ein Schlussstrich gezogen werden“, so einmütig die Vorsitzenden des Postagenturnehmerverbandes Carsten Kaps und des Bundesverbandes der Kurier-Express-Post-Dienste Rudolf Pfeiffer. „Die Deutsche Post sollte auch die Kosten tragen, die ein Universaldienst, den sie freiwillig anbietet, mit sich bringt und sie nicht auf kleine Geschäftsleute abwälzen.“

Quelle: www.bdkep.de

Foto “head”: Rainer Sturm – www.pixelio.de

Pressemitteilung veröffentlicht am 31.01.2012 in Dies + Das, News (In- und Ausland).
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